Was ist eine Depression?

Bin ich depressiv und was ist eine Depression? Woher kommt eine Depression? Und was kann ich tun, damit es mir besser geht? Auf den folgenden Seiten informieren wir. 

Was ist eine Depression?

Depression kann jeden treffen, unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialen Status. Auch Kinder können schon depressiv reagieren. Sie sind in der Regel eher schwankend in ihren Gefühlen, können still und traurig wirken, oder auch aggressiv und aufsässig. Die Jugendphase bietet viel Neues und Aufregendes, welches bewältigt werden muss. Stimmungsschwankungen – einmal himmelhoch jauchzend, einmal total deprimiert – kommen auch hier häufig vor. Auch im Erwachsenenalter sind Veränderungen in der Lebenssituation, Gefühlsschwankungen und Krisen natürlich.
Wenn die Tief-Phasen lange dauern und sehr tief erlebt werden, spricht man von einer Depression. 

Eine Depression gehört zu den «Affektiven Störungen», das bedeutet, dass die Stimmungslage erkrankt ist. Dies äussert sich in vielen unterschiedlichen Symptomen, die das Fühlen, das Denken, das Handeln und den Körper betreffen:

  • Gedrückte Stimmung, Traurigkeit

  • Wenig oder gar keine Freude an (fast) allen Aktivitäten, Motivationslosigkeit

  • Teilnahmslosigkeit, Gefühlslosigkeit, wie «abgestorben/stumpf»

  • Antriebslosigkeit, Hemmung oder innere Unruhe, Anspannung

  • Verzweiflung, Angst, Wut, Gereiztheit, Hoffnungslosigkeit

  • Einsamkeitsgefühle, Versagensgefühle, Wertlosigkeit, Schuldgefühle

  • Grübeln, Gedankenkreisen
  • Sorgen, Zukunftsängste, Pessimismus
  • Selbstunsicherheit, Selbstvorwürfe
  • Gedanken an den Tod, Suizidgedanken
  • Arbeit und Aufgaben werden nicht mehr geschafft, Probleme mit der Leistung (Schule, Arbeit)

  • Alltägliches fällt schwer / kein Interesse mehr, «Prokrastination»: Aufgaben «vor sich herschieben»

  • Konzentrationsschwierigkeiten, Entscheidungsunfähigkeit

  • sozialer Rückzug, im Bett verstecken, Kontakt zu anderen Menschen ist mühsam

  • Veränderte Körpersprache: Hektik oder langsame Bewegungen, wie «blockiert»

  • (auto-)aggressives Verhalten, Suizidankündigungen und -handlungen

  • Schlafstörungen: schlechtes Einschlafen, häufiges Aufwachen, vermehrtes Schlafen

  • Müdigkeit, Energielosigkeit, Erschöpfung

  • Appetitstörungen, Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme

  • Libidoverlust, nachlassendes Interesse an Sexualität

  • Anspannung, Unfähigkeit zur Entspannung

  • Schmerzen in den Gliedern, Schwindel, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Druck auf der Brust

 

Die Symptome dauern mindestens 2 Wochen an und führen zu einer starken Beeinträchtigung im Leben.

In der Sendung „Gesundheit heute – Wenn das Leben sinnlos erscheint“ vom 17.11.2018 sehen Sie Ausschnitte aus den drei Kurzfilmen und erhalten Informationen zu depressiven Störungen sowie zur Behandlung depressiver Störungen.

Der folgende Film gibt ein sehr treffendes Bild einer depressiven Störung ab und zeigt diverse Behandlungsmöglichkeiten auf:

Depressionen

Woher kommt eine Depression?

Die Anlage für eine Depression kann vererbt werden, dazu kommen Stressfaktoren in der momentanen Lebenssituation:

  • Stress mit den Eltern

  • Stress in der Schule (Prüfungen, Referate)

  • Streitereien mit Freunden

  • Mobbing

  • Umzug in eine neue Gegend oder Stadt

  • Schulwechsel, Klassenwechsel

  • Scheidung der Eltern, Arbeitslosigkeit der Eltern

  • Geburt eines Geschwisterkindes

  • Verlust oder schwere Krankheit von einer geliebten Person, eines Haustiers

  • Unzufriedenheit mit Äusseren

  • wenig Unterstützung von Freunden oder der Familie

  • Lehrstellensuche, keine Lehrstelle finden

  • Auszug aus dem Elternhaus

  • Entscheidung für berufliche Laufbahn

  • Stress durch Abschlussprüfungen

  • Stress mit Eltern

  • Stress mit Freunden

  • Beenden oder Neubeginn einer Partnerschaft

  • Umzug

  • Verlust oder schwere Krankheit von einer geliebten Person, eines Haustiers

  • Unzufriedenheit mit dem Äusseren

  • wenig Unterstützung von Freunden / Familie

  • Überforderung, Fülle von Verantwortung

  • Schwangerschaft, Geburt eines Kindes, Abtreibung

  • Hochzeit, Umzug, Hausbau, Umbau

  • Beförderung, neue / andere Aufgaben im Beruf

  • Arbeitslosigkeit, finanzielle Schwierigkeiten

  • Prüfungen

  • Kinder, die das Haus verlassen

  • Schichtarbeit

  • Verlust oder schwere Krankheit von einer geliebten Person, eines Haustiers

  • Beginn einer neuen Beziehung, Beenden einer Beziehung

  • Jahreszeiten

  • Pensionierung

  • Verlust des Partners

  • Wegfall des sozialen Netzwerks

  • Verlust der Selbstständigkeit und Mobilität

  • Verlust der Heimat (Heim vs. großes Haus)

  • Kinder, die das Haus verlassen

  • Vereinsamung

  • Finanzielle Sorgen

  • Körperliche und geistige Einschränkungen (Stoffwechsel, Herz-Kreislaufstörungen, Schlaganfall…)

 

Was heisst Stress eigentlich?

Stress bezeichnet alles, was einen aufgeregt oder angespannt macht – Stress kann dabei positiv oder negativ sein – positiver Stress sind Dinge, die man gerne macht und auf die man sich freut (neue Freundin / Partnerschaft, einen Vortrag vorbereiten, auf eine Party gehen, in einem Sportverein Sport treiben, neue Wohnung / neue Gegend). Negativer Stress kommt von Dingen, die man als unangenehm empfindet oder ungern macht (gemobbt werden, Schulwechsel, Umzug, gezwungener Vortrag über ein uninteressantes Thema).

Meistens beginnt eine Depression langsam und schleichend und es kommen mehrere Stressfaktoren zusammen, die das «Fass zum Überlaufen bringen» und zu einem Stimmungstief führen. 

Hinzu kommt die eigene «Veranlagung» (auch «Vulnerabilität») – damit ist das allgemeine Belastungsniveau gemeint, wie z.B. eine genetische Anlage zur Depression (Vererbung) oder ein depressionsförderndes Klima in der Kindheit und Jugend sein (Verlusterlebnisse, Gewalterfahrungen, Perfektionismus, wenig soziale Unterstützung) oder ein Ungleichgewicht von Botenstoffen in bestimmten Hirnregionen.  

Je nachdem, wie hoch die eigene «Veranlagung» ist, braucht es viele oder nur ganz wenige Stressfaktoren, um eine Depression auszulösen:

Wenn es zu einem Stimmungstief kommt, dann beginnt sich die «Depressionsspirale» negativ zu drehen, so dass die Betroffenen immer deprimierter werden.

Die Depressionsspirale ist ein Zusammenwirken von Gefühl, Gedanken und Handeln. Deprimierte Stimmung löst negative Gedanken aus, und die beeinflussen unser Handeln:
Wenn jemand deprimiert und traurig ist, denkt, dass sowieso keiner etwas mit einem zu tun haben will, der bleibt zu Hause, vergräbt sich in seinem Zimmer, wird noch deprimierter, denkt, dass alles sowieso keinen Sinn mehr hat, fühlt sich bestätigt, dass sich keiner für ihn interessiert.

Arten von Depression

Postpartale Depression

Im Volksmund besser bekannt als «Wochenbett-Depression» oder «Babyblues», tritt die postpartale Depression häufig bei Müttern (10-20%) und Vätern (4%) nach der Geburt eines Kindes auf. Der Beginn ist dabei meist schleichend und die Symptomatik kann innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Geburt entstehen.

 Typische Symptome sind:

  • Antriebslosigkeit, innere Leere, hohler Blick

  • Traurigkeit, Pessimismus

  • Teilnahmslosigkeit, Interessenslosigkeit

  • Stimmungsschwankungen

  • Anspannung, Reizbarkeit, Ungeduld

  • Ängste, Panikattacken

  • Zwiespältige Gefühle dem Kind gegenüber bis hin zu ablehnenden oder gar keinen Gefühlen dem Kind gegenüber

  • Mangelndes Selbstvertrauen, Unsicherheit

  • Konzentrationsprobleme, Grübeln

  • Schuldgefühle, Versagensgefühle, Selbstvorwürfe, Scham («ich bin eine schlechte Mutter»)

  • Starke Sorgen um das Kind, Angst, verrückt zu werden oder die Kontrolle zu verlieren

  • Teils Zwangsgedanken (quälende und destruktive Gedanken, sich selbst oder dem Kind etwas anzutun)

  • Suizidgedanken

  • Schwierigkeit, sich aufzuraffen

  • Selbstvernachlässigung

  • Vernachlässigung des Kindes

  • Aggression, Wutausbrüche

  • Sozialer Rückzug

  • Sexuelle Unlust, Abneigung gegenüber Berührungen

  • Schmerzen

  • Schlafstörungen (durch Schlafunterbrechungen durch das Baby oder durch dauerhafte Anspannung)

  • Appetitlosigkeit oder gesteigerter Appetit

  • Körperliche Beschwerden wie Schwindel, Kopf- und Magenschmerzen, Rückenprobleme

Es ist wichtig, eine postpartale Depression zu erkennen – sowohl als Betroffener als auch als Angehöriger. Das ist schon der erste Schritt zur Besserung. Oftmals haben wir an uns die höchsten Erwartungen – gerade als frischgebackene Eltern möchte man möglichst alles richtig machen. Perfektionismus ist dabei aber oft ein Mitauslöser für eine postpartale Depression – versuchen Sie, eigene Erwartungen in den verschiedenen Lebensbereichen zu senken und sich jeden Tag für mindestens 3 Dinge zu loben. Sprechen Sie Ihre Gefühle und Ihre Gedanken bei Ihren Angehörigen an. Weitere Möglichkeiten, was Sie für sich und Ihr Baby tun können, finden Sie hier und über den Verein Postnatale Depression Schweiz.

Depression im Alter

Im höheren Alter sind Depressionen die häufigsten psychischen Störungen: jede vierte Person über 65 leidet an einer Depression.

Das Erkennen einer Depression kann schwierig sein. Häufig sind die Übergänge zwischen dem physiologischen Altern und dem oft schleichenden Verlust von Alltagskompetenzen und einer krankhaften psychischen Störung, wie einer Depression oder einer Demenz, schwer zu unterscheiden. Depressive Symptome werden oftmals als normale Begleiterscheinungen von Alter oder Lebenskrisen gedeutet, mit einschneidenden Folgen – in keiner anderen Altersgruppe ist die Suizidrate dermassen hoch. Auf jeden Fall ist ein Besuch beim Hausarzt angesagt, vor allem auch, um eine mögliche fachärztliche Weiterbehandlung abzuklären.

Mögliche Auslöser und häufig auftretende Symptome finden Sie auf unseren Informationsseiten.

Auch im Alter sind Depressionen gut, u.a. mit Medikamenten, behandelbar. Für einen nachhaltigen Behandlungserfolg sind Psychotherapie und geistige und körperliche Aktivierung (Gedächtnistraining, Musik-, Ergo-, Bewegungs-, Aktivierungstherapie) genauso wichtig. Hier finden Sie wichtige Informationen zu den verschiedenen Formen von Therapie.

Verzichtet man auf eine spezifische Psychotherapie, sollte eine medikamentöse Behandlung, wenn immer möglich, von regelmässigen Gesprächen mit dem Arzt begleitet werden – denn die vertrauensvolle Beziehung Arzt-Patient ist ein nicht zu vernachlässigender Wirkfaktor.